Meine Geest wie ich sie sehe

Am Schlusspunkt der vom Geesthang geformten Landschaftsachse nutzen Naturliebhaber den Öjendorfer Park gleich doppelt: für einen Mix aus Gärtnern und Gymnastik.

Meine Geest wie ich sie sehe

 

Gesucht: Orte für Naturliebhaber

... wie die „Green Gym“-Gruppe im Öjendorfer Park

Das Wetter ist zwar durchwachsen an diesem Sonnabend im Öjendorfer Park, am Endpunkt der sich vom Hauptbahnhof nach Osten ziehenden Geestachse. Doch Susanne Broos und Theresa Farrell schreckt gelegentlicher leichter Regen nicht ab. „Das ist hier ein echtes Naturerlebnis“, erklärt Broos. Am selbstgezimmerten Hochbeet pflegt sie gerade mit einer kleinen Harke und bloßen Händen ein Kräutergärtchen – auf dem öffentlichen Parkgelände, ehrenamtlich und in Absprache mit dem Gartenbauamt, dem sie damit nicht in die Quere kommen.

Hinter ihrem Engagement steckt aber mehr als nur die Freude am Gärtnern. Als Trainerinnen leiten die beiden Frauen gemeinsam die örtliche „Green-Gym“-Gruppe. So heißt ein Trend, der aus Großbritannien kommt und allmählich auch hierzulande Fuß fasst. Auf den britischen Inseln praktizieren bereits 13.000 Menschen einen Mix aus Gartenarbeit und Gymnastik in Parks und Grünanlagen. Vor dem eigentlichen Gärtnern werden beim Green Gym etwa 15 Minuten lang Lockerungs- und Aufwärmübungen gemacht, aber auch Achtsamkeit und Wahrnehmung der Natur geschärft. In Großbritannien verschreiben sogar schon Ärzte ihren Patienten dieses Natur-Programm.

Die meisten Menschen – vor allem in der Stadt – sind „Schreibtischtäter“, sie sitzen zuviel und bewegen sich zu wenig. „Green Gym“ ist daher ein perfekter Ausgleich. „Draußen sein, mit den Händen in der Erde wühlen und mit der Natur arbeiten, das tut einfach gut“, weiß Broos aus Erfahrung. Seit etwa vier Jahren gibt es ihre Gruppe, die als deutschlandweites Pilotprojekt unter Leitung des Vereins Heilende Stadt e.V. gärtnert. Derzeit entstehen weitere Gruppen, darunter eine im Hammer Park. Zwei Jahre lang förderte die Stadt Hamburg das „Green Gym“ in Öjendorf finanziell, inzwischen trägt sich das Projekt selbständig.

Das Ergebnis der grünen Gruppenarbeit kann sich sehen lassen: Hinter dem Kiosk und dem Freiluft-Schachfeld am Öjendorfer See sind gepflegte Beete mit blühenden Blumen entstanden. Storchenschnabel, Rhododendron und Hortensien wachsen dort statt meterhoher Brennesseln, die anderswo die Grünanlagen überwuchern. Alle 14 Tage trifft sich die Öjendorfer Gruppe. Über das Gärtnern komme man auch mit anderen zwanglos ins Gespräch, so Theresa Farrell, die in der Nachbarschaft aufgewachsen ist und den Park von Kindesbeinen an kennen- und lieben gelernt hat. „Als ich gehört habe, dass direkt bei uns im Park gegärtnert werden kann, war ich sofort dabei.“ Und wenn die Geest-Achse erst einmal als „grünes Band“ aus Richtung City zu diesem beschaulichen Schlusspunkt am See führt, werden sicher noch mehr lärmgeplagte Großstädter den Weg zu mehr seelischem Ausgleich finden.