Meine Geest wie ich sie sehe

Guido Höper (28) lehrt Jugendliche an der HipHop-Academy Hamburg eine außergewöhnliche Kunstform: Beatboxen – ein musikalisches Genre der Hip-Hop-Kultur.

Meine Geest wie ich sie sehe

 

Gesucht: Freiräume für die vielen Kulturen der Stadt

... wie die Kids von der HipHop-Academy in Billstedt

Für Guido Höper ist es kein Ding, mal eben sein Schlagzeug samt kompletter Rhythmusgruppe für eine kleine Klang-Demonstration hervorzuzaubern. Er kann es an der Bushaltestelle, auf der Parkbank, im Stehen und im Gehen. Denn der 28-Jährige beherrscht das Beatboxen, jenes Teilgebiet der Hip-Hop-Kultur, bei der nur mit Mund und Stimmbändern die komplexesten Rhythmen und Drummer-Soli produziert werden. Wer will, kann diese Kunst von Höper lernen: An der HipHop Academy Hamburg im Kultur Palast Billstedt am Öjendorfer Weg bieten er und weitere Trainer Kurse in zahlreichen Hip-Hop-Disziplinen an, darunter Graffiti- und Producing-Lehrgänge, Rap- und Vocal-Klassen, Hip-Hop-Dance sowie Kurse in „B-Boying“, das in Deutschland als Breakdancing bekannt ist.

Die Grundkurse, Level 1 genannt, lehrt die Academy nicht nur in Billstedt, sondern in Jugendhäusern und Schulen über ganz Hamburg verteilt. Auf diese Weise sind derzeit rund 680 Jugendliche in 105 Kursen eingeschrieben. „Offiziell kann man ab etwa zwölf Jahren teilnehmen“, erklärt Höper, „aber wenn wir merken, dass ein Talent jünger ist, darf man auch schon früher mitmachen. Ich habe derzeit einen Zehnjährigen im Grundkurs.“ Wer genügend trainiert hat, kann weiter aufsteigen – bis in die Master-Classes oder sogar in das Ensemble der HipHop Academy, das teilweise sogar international auftritt.

Guido Höper ist seit den Anfängen 2007 mit dabei. Nach einem Einstieg mit 19 Jahren als Kursteilnehmer beim bekannten Hamburger Beatboxer Alberto, der auf YouTube ein Millionenpublikum hat, übernahm er vor einigen Jahren dessen Kurs an der Academy als Leiter. Ähnlich wie Alberto sind viele Absolventen zu erfolgreichen YouTubern geworden. Aber auch andere Erfolge können sich sehen lassen: So traten Hip-Hopper aus Billstedt zusammen mit dem Ensemble Resonanz und Künstlern ganz anderer Richtungen auf, um Hip-Hop und Klassik in spannenden Kombinationen auf die Bühne zu bringen – sogar international, etwa in Shanghai oder Istanbul.

„Hip-Hop ist in erster Linie ein Lebensgefühl“, fasst Höper die Motivation vieler junger Menschen aus der weitläufigen Szene zusammen. „Man kann diese Kultur sehr gut als kreatives Ventil für jeglichen Druck des Alltags oder der Gesellschaft verwenden.“ Und dieses Lebensgefühl hat durch die Academy im Hamburger Osten einen Schwerpunkt entwickelt, der junge Hip-Hopper aus der ganzen Hansestadt anlockt. „Ich selbst bin aus Lemsahl-Mellingstedt ganz oben im Hamburger Norden und durch die Academy erstmals mit Leuten aus Billstedt in Kontakt gekommen, was normalerweise zwei ganz unterschiedliche Kulturen sind.“

Menschen aus den verschiedensten Stadtteilen einander näher zu bringen und dabei mehr  Räume für Kreativität zu schaffen – das ist auch das Anliegen des derzeit geplanten „grünen Bandes“ von Öjendorf über Billstedt in Richtung City entlang der Geest. Wie klingt das für einen Hip-Hopper, dessen Academy an der Strecke liegt? Höper denkt kurz nach: „Wenn dieses Stadtplanungsprojekt insofern ähnliche Effekte erzielt wie die Academy, ist das sicherlich etwas Gutes.“