Meine Geest wie ich sie sehe

Die Bildhauerin Franziska Seifert spendet dem Stadtteil Hamm eine Skulptur.

Meine Geest wie ich sie sehe


Gesucht: Kunst und Kultur im Grünen

... wie die Steinskulptur an der Hammer Kirche

Zwei Jahre hat die Bildhauerin Franziska Seifert an dem Stein gemeißelt, bis er die von ihr gewünschte Form hatte: außen grob und massiv, nach innen hinein teils ausgehöhlt und glatt poliert. Nun ist die 800 Kilogramm schwere Skulptur aus Thüringer Sandstein fertig und kann als Geschenk dem Heimatstadtteil der Künstlerin übergeben werden: Hamburg-Hamm.

Im Vorwege war zusammen mit der Künstlerin und der Stadtteilinitiative „Hamm wir alles – Gruppe Raum für Ideen“ nach geeigneten Orten gesucht worden. Die Hammer Bevölkerung war aufgerufen, den besten Standort aus drei Orten in Hamm zu wählen. Ihre Wahl fiel auf den Eingang der U-Bahn-Station „Hammer Kirche“. Dorthin, wo sich an der von Ost nach West verlaufenden Geestkante viele Wege kreuzen, sozusagen ins gefühlte Zentrum von Hamm. Der Stein soll die Stadtteile Hamm-Nord und Hamm-Süd verbinden und eine Art Landmarke bilden. „Ich möchte“, so die Bildhauerin, „dass viele Menschen hier kurz innehalten und sich auf das Besondere dieses Ortes besinnen.“ Darauf nämlich, dass dieser Schnittpunkt im Stadtteil gleichzeitig auch ein Verbindungspunkt ist.

Nach einem Entwurf des Architektenbüros ReichwaldtSchultz könnte eine kleine Terrasse mit Mauereinfassung den würdigen Rahmen für das Kunstwerk bieten. Dadurch werde auch die Umgebung aufgewertet; ein Innehalten und Ankommen werde möglich. Das Anfassen und Ertasten der Skulptur ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Franziska Seifert hofft, „dass die Menschen mit dem Kunstwerk in Kontakt treten, die Form und Struktur und damit auch die Magie des Steins erfahren“. Man kann etwa seinen Kopf in die Höhlung hineinstecken und lauschen oder mit den Händen über die glatte Innenfläche fahren. „Mir war es sehr wichtig, dass der Stein diese rötliche Färbung hat und dadurch mit dem in Hamm typischen roten Backstein der Wohnblocks in Beziehung tritt“, erklärt die Künstlerin. Die je nach Witterung wechselnden Rot- und Grautöne geben für sie die unterschiedlichen Stimmungen und Vielfältigkeit des Stadtteils wieder.

Franziska Steinert wohnt seit über 20 Jahren in Hamm und ist hier mittlerweile fest verwurzelt. Ihr Atelier hat sie jedoch in Wilhelmsburg auf dem Hof ihrer Baufirma Cordts. Dort steht auch das schwere Gerät, mit dem der tonnenschwere Stein nach Hamm transportiert werden kann. Mit finanzieller Unterstützung ihrer eigenen „Franziska und Tim Cordts Stiftung“ soll er seinen demokratisch gewählten Standort erhalten, sobald die Baugenehmigung erteilt ist. Bei einer Vernissage in der „Fabrik der Künste“ (Kreuzbrook) konnte der „Stein für Hamm“ schon besichtigt werden. „Ich finde es toll, dass so viele Menschen Interesse an der Skulptur haben“, freut sich die Künstlerin. „Der Stein ist sozusagen die Elbe hinab gerollt, und hier findet er ein neues Zuhause.“