Meine Geest wie ich sie sehe

Die 16-jährige Judoka Blerina Seferi tritt bei internationalen Turnieren für einen Borgfelder Traditions-Club an, der an der Geestkante ein etwas verstecktes Dasein führt.

Meine Geest wie ich sie sehe

 

Gesucht: Räume für Bewegung

... zum Beispiel zum Joggen oder Walken

Diese junge Frau weiß, was sie will – und wie sie es bekommt: „Ich war immer schon eine Kämpferin“, sagt die 16-jährige Blerina Seferi. Kein Wunder, dass sie bereits mit sechs Jahren zu ihrem Sport fand: Judo. Der traditionsreiche Borgfelder Verein HT16, der als ältester Turnverein der Welt in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen feiert, ist von Anfang an ihr sportliches Zuhause gewesen, wo sie sich von ihren Trainern hervorragend betreut fühlt: „Sie haben mich immer optimal gefördert“, sagt die Judoka. Sozusagen zum Dank hat sich Seferi, die in Hamburg geborene Tochter albanischer Eltern aus Mazedonien, inzwischen zu einem Aushängeschild des Vereins entwickelt: Gerade erst vor wenigen Tagen hat sie in Berlin beim Europacup in ihrer Gewichtsklasse den 3. Platz und damit Bronze erkämpft.

Damit trägt die Kämpferin dazu bei, den Verein mit dem langen Namen „Hamburger Turnerschaft von 1816“ noch ein Stück mehr aus seiner leicht versteckten Lage kurz hinter der Geestkante und in Sichtweite der örtlichen Polizeiwache hervorzuholen ins Licht der Öffentlichkeit. Ein bis zwei ihrer wöchentlich acht Trainingseinheiten verbringt Blerina hier im modernen Kraftraum oder beim Techniktraining, die übrige Zeit übt sie im Wandsbeker Landesleistungszentrum – und vormittags in ihrer Sportschule am Alten Teichweg, wo sie sich in der 11. Klasse derzeit aufs Abi vorbereitet.

Es war nicht etwa der Wunsch, sich als Mädchen auf der Straße sicherer zu fühlen, der Blerina zu dem martialischen Sport gebracht hat: „Kampfsport hat mich schon als Kind angezogen, das liegt in der Familie. Mein Vater und meine Onkel haben das schon in Mazedonien als Hobby gemacht.“ Und wer sie gesehen hat, wie sie beim Training in der Halle der HT16 ihre Gegnerinnen auf die Matte wirft, findet ihren schlichten Wunsch für die Zukunft gar nicht mal so unrealistisch: „Ich will Weltmeisterin werden!“ Je älter sie wurde, desto mehr merkte Blerina, wie hart man für solche Träume arbeiten muss. „Manchmal, wenn ich beim Training nicht mehr kann oder mich niedergeschlagen fühle, dann sage ich mir: Du stehst jetzt auf und kämpfst für dieses Ziel!“

Einer der Höhepunkte ihrer bisherigen Sportlaufbahn war ein zweiwöchiges Trainingslager mit der HT16 in Japan, dem Mutterland des Judo: „Das sind Erfahrungen, die man nicht so schnell vergisst.“ Wie überhaupt die Trainer und auch die Vereinskasse ihre weiten Reisen zu Turnieren nach besten Kräften unterstützen. Zum Training hingegen hat Blerina recht kurze Wege: Von ihrer Wohnung auf der Grenze zwischen Billstedt und Horn ist sie ebenso schnell beim Verein in Borgfelde wie am Öjendorfer See, um den sie gerne ihre Laufrunden dreht. „Wenn die Route entlang der Geest schön gestaltet würde, entstünde vielleicht auch eine neue Joggingstrecke“, überlegt Blerina. Auch für ihren Verein könne das vorteilhaft sein: „Dann würden mehr Spaziergänger im Vorübergehen entdecken, dass es die HT16 gibt.“