Meine Geest wie ich sie sehe

Ruben Herzberg (64) ist seit 22 Jahren Leiter des städtischen Ganztags-Gymnasiums Klosterschule, das im Schatten des Berliner Tores fast auf der Geestkante steht. Das Nord-Süd-Gefälle spiegelt sich für ihn deutlich im Schulbetrieb wieder.

Meine Geest wie ich sie sehe


Gesucht: Projekte, die Menschen anziehen

... und das Nord-Süd-Gefälle im Stadtraum überwinden


Herr Herzberg, wenige Meter von ihrer Schule entfernt geht es plötzlich auf breiter Front einige Meter steil bergab. Wirkt sich in Ihrem Einzugsgebiet zwischen dem erhöhten Norden und dem tiefer liegenden Süden auch ein „soziales Gefälle“ aus?

Herzberg: Bei aller gebotenen Distanz zu diesem Sprachbild: Ja, es gibt dieses Nord-Süd-Gefälle – und wir sind mittendrin. Das spürt man sehr deutlich an der Zusammensetzung der Schülerschaft. Nördlich erstreckt sich relativ bald die Uhlenhorst mit „bildungsnahen Schichten“, jenseits davon auch Winterhude. Südlich und südöstlich sieht es anders aus: Mit Rothenburgsort und der Veddel, mit Hammerbrook, Borgfelde und Hamm haben wir Stadtteile mit einer eher einkommensschwachen Bevölkerungsschicht. In St. Georg wiederum ist es sehr gemischt; der Migrantenanteil in Hamburg-Mitte ist ja ohnehin sehr hoch und betrifft natürlich auch das Umfeld der Schule. Das Reizvolle an dieser Lage ist es, dass wir durch sie diese bunte Schülermischung haben, die wir uns auch wünschen.

An der Klosterschule gibt es mehr als 40 Nationalitäten und Muttersprachen, zusätzlich jetzt auch noch „internationale Vorbereitungsklassen“ mit Flüchtlingen. Überwiegt hier, an einer Schnittstelle zwischen Nord und Süd in Hamburg, im Schulalltag das Verbindende oder das Trennende?

Herzberg: Es ist nicht nur ein schöner Wunschtraum, sondern gelebte Schulrealität: Das Verbindende überwiegt. Das hat viel damit zu tun, dass unsere ganztägig gut durchstrukturierte Schule viele Phasen der Begegnung möglich macht – auch der pädagogisch begleiteten Begegnung, ohne dass es da um Unterricht im engeren Sinne ginge. Das ist die große Chance, die wir als Ganztagsschule haben und auch nutzen.

Die breiten Ausfallstraßen vom Stadtzentrum in Richtung Osten entlang der Geestkante wirken bislang eher als Barriere zwischen Quartieren. Wie könnte man diese Schneise durchlässiger machen und die angrenzenden Stadtteile attraktiver vernetzen?

Herzberg: Das Leben moderner Großstädte ist vom Kommerz geprägt, deshalb fällt mir spontan so etwas wie eine attraktive Einkaufszone ein – aber auch Örtlichkeiten, die Menschen anziehen und zusammenbringen: Freizeitgelegenheiten, also eine Grünzone, parkähnliche Anlagen. Die gibt es in dieser Region Hamburgs sehr viel weniger als im grüneren Westen, den ich gut kenne, weil ich da wohne. Der Weg zur Klosterschule wird bislang nicht sehr oft mit dem Fahrrad zurückgelegt: An schönen Sommertagen stehen bei insgesamt rund 1000 Schülern höchstens 140 Fahrräder auf dem Schulgelände. Wenn die Umgebung dazu einladen würde, kämen sicher mehr Schüler mit dem Rad.